Erschienen in „top-fit“, Magazin für Gesundheit und gutes Leben, Ausgabe II/2010
http://www.topfit-anzeigen.de/pdf/topfit02-10_Web.pdf

Über die Angst. Und über den Atem.

Text: Mo Liegl, Atemtherapeutin AFA®

Das Phänomen Angst gibt sich so facettenreich wie die Menschen selbst. Jeder Mensch hat seine ganz persönliche, individuell erlebte Angst. Es gibt alters- und entwicklungsbedingte Ängste, die der gesunde Mensch meistert und deren Bewältigung für seine Entwicklung wichtig ist. Angst gehört zu unserem Da-sein, ist lebensbegleitend. Krankhaft wird die Angst erst durch eine Unangemessenheit gegenüber einer tatsächlichen Bedrohung sowie durch ihre Intensität, ihre Dauer und die Beeinträchtigungen, die der Betroffene durch sie erfährt.

Alle starken Gefühle wie etwa Freude, Glück, Ärger, Angst, oder Schmerz verändern die Atmung. Menschen mit Ängsten, chronischem Stress und Verspannung atmen meistens flach im oberen Brustkorbbereich und nutzen damit nur die Hälfte oder weniger der Lungenkapazität.

Auf den Umstand, dass sich bei starken Emotionen sofort die Atmung verändert, weisen auch zahlreiche Redewendungen hin: Manchmal halten wir vor Schreck den Atem an. Öfter bleibt uns die Luft weg. Wir schnauben vor Wut, machen unserem Ärger Luft oder haben letztendlich den längeren Atem. Mitunter ersticken wir fast an unseren Sorgen, aber wir kämpfen bis zum letzten Atemzug!

Der Atem ist wie ein Seismograph. Er reagiert auf jede Bewegung, jede Berührung, jeden Gedanken, jedes Gefühl. So wie wir leben, so atmen wir und so wie wir atmen, so leben wir. Wenn wir verhalten leben, dann werden wir auch verhalten atmen. Und wie ein Mensch denkt, fühlt und handelt, spiegelt sich in seinem ganz eigenen Atemmuster, seinem Atemrhythmus wieder. Verspannungen, Fehlhaltungen und seelische Konflikte beeinflussen den freien Atemfluss. Die Haltung verändert sich, wir atmen unbewusst flach und unregelmäßig. Das hat zur Folge, dass einzelne Körperregionen weniger angeregt und Organe in ihrer Funktion beeinträchtigt werden und der Atemrhythmus aus dem Gleichgewicht gerät.

Der "Erfahrbaren Atem" ist eine von Prof. Ilse Middendorf (*1910 – † 2009) entwickelte Methode der Atemtherapie. Sie gründet auf dem Wissen um die komplexen Wechselwirkungen zwischen dem Atem, den verschiedenen Körperfunktionen und der seelisch-geistigen Verfassung des Menschen.

Die Atemtherapie nach Middendorf® reguliert das autonome Atemgeschehen durch manuelle Reize sowie ausgewählte Wahrnehmungsübungen. Das „Geschehen lassen“ des Atems, ohne ihn willentlich zu beeinflussen ist ein Schlüsselelement der Atemtherapie nach Middendorf®. Behandlungselemente hierbei sind: Dehnungen zur Schulung des Körperempfindungsbewusstseins, Druckpunkte zur Stimulation der Atembewegungen, Vokalatemarbeit, Bewegungen aus dem Atem. Damit erreicht man einen Ausgleich des Atemrhythmus, eine Regulation des vegetativen Nervensystems und eine Wiederherstellung des psychosomatischen Gleichgewichts. Die damit einhergehenden körperlichen und seelischen Veränderungen fördern und erhalten die Gesundheit, unterstützen die Heilung bei Störungen und Erkrankungen.

Grundsätzlich eignet sich diese Methode für Menschen jeden Alters. Indikationen sind: Atembeschwerden, Schlafstörungen, Angst, Depression, Stress / Burnout, Erschöpfungszustände, Rheumatische Erkrankungen, Stimm- und Sprechstörungen, Herzkreislauferkrankung, funktionelle und degenerative Erkrankungen des Bewegungssystems, Rehabilitation nach Klinikaufenthalten, um nur einige zu nennen. Entwicklungsorientiert unterstützt die Atemtherapie in Krisen und ergänzt phsychotherapeutische oder medizinische Behandlungen.